Läuterers Rezension: The Black Drop (Trail of Cthulhu)

Mit Erlaubnis vom Tanelorn-User Der Läuterer, stelle ich hier nach und nach seine Horror-Abenteuer-Rezensionen vor. Für Feedback zu seinen Rezis folgt dem Link zum Tanelorn-Forum. Eine vollständige und sortierbare Liste seiner Rezensionen findet ihr auch HIER.

The Black Drop

BLACK DROP, the

… handelt von einer uralten Gottheit, die auf einer nahezu menschenleeren Insel im Südpolarmeer gebannt werden bzw. auferstehen soll.
Das Szenario bietet eine moralische Zwickmühle und ist ein puristisches Werk par excellence. So und nicht anders sollte Cthulhu sein.

ABSOLUT EMPFEHLENSWERT / ★★★★★

AUTOR
Jason Morningstar

VERÖFFENTLICHUNG
OUT OF TIME – Pelgrane Press, Trail of Cthulhu, 2010 – 19 Seiten

SETTING
KLASSISCH 1930er – Das Kerguelen Archipel, eine subarktische Inselgruppe – 1933
Ein karges, vereistes und ungastliches Ödland; fernab jeglicher Zivilisation.

WISSENSWERTES
■ Der Ausdruck Black Drop bezeichnet das Vorbeiziehen des Planeten Venus als schwarzer Punkt vor der Sonne. Dabei hat die Venus einen scheinbaren Durchmesser von 1/30 der Sonnenscheibe.
■ Ähnlich wie die Falkland Inseln für die Briten, sollten die Kerguelen den Franzosen zur Schafzucht dienen. Andere Möglichkeiten zur Nutzung gibt es nicht, denn Bodenschätze sind dort kaum vorhanden.
■ Die Distanz zw. Kapstadt (Südafrika) und den Kerguelen beträgt ca. 4.500 km. Jene nach Melbourne (Australien) beträgt ca. 6.000 km und jene nach Buenos Aires (Argentinien) ca. 9.400 km.

PLOT EINSTIEG
Eine Fahrt auf einem Frachter mit Ziel Südpolarmeer.

UNERKLÄRLICHES
Ein 30-jähriger Zyklus.

ANPASSBARKEIT
SCHWIERIG
■ Das Archipel liegt weit südlich im indischen Ozean und gehört zum französischen Hoheitsgebiet. Es ist ein unbedeutender, abgeschiedener und lebensfeindlicher Ort.
■ Es gibt für die Chars keinen wirklichen Grund die Inseln zu betreten, es sei denn, sie WOLLEN die Inseln betreten. Doch nur wenige Menschen haben wirklich einen Grund.

ATMOSPHÄRE
Gefühle des Ausgeliefertseins, der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit sind allgegenwärtig. Die Isolation durch die Lage bietet ein fantastisch-cthuloides Kolorit.

AUSRICHTUNG
ERMITTLUNG + ACTION

KREATUREN
The God of the Black Stone
Die Kreatur wird im Szenario weder genau beschrieben, noch auf irgendeine Art und Weise benannt. Sie ist was sie ist und alles, was der SL aus ihr machen will; ansonsten bleibt sie nebulös. Je unbekannter die Kreatur ist, desto intensiver wird die mögliche Bedrohung durch sie empfunden – ganz im Stil eines H.P. Lovecraft.

ORIGINALITÄT
EINZIGARTIG
■ Das Szenario greift auf die Werke Poes THE NARRATIVE OF ARTHUR GORDON PYM OF NANTUCKET, 1838 und Vernes LE SPHINX DES GLACES, 1897 zurück.
FREE FORM
■ Die Chars können unterschiedlichen Spuren in beliebiger Reihenfolge nachgehen.
PURIST
■ Je nach Vorliebe lässt sich das Szenario aber auch leicht in ein pulpiges Szenario umwandeln.
TWIST
■ Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Und dieser Plot bietet ein einzigartiges und überraschendes Ende, das sicherlich in Erinnerung bleiben wird.
LOVECRAFTESK
■ Ein fantastisches Szenario, das eine verstörende Stimmung verströmt.

STIMMIGKEIT
Das Szenario ist in sich stimmig und hat Referenzen zu historischen Begebenheiten.

PLOT ENTWICKLUNG
Die Entwicklung des Szenarios wird sowohl von einer zeitlichen Komponente, den NSC Aktionen, als auch von den Aktionen / Reaktionen der Chars bestimmt.

SPIELER EINFLUSS
HOCH
■ Die Spieler agieren / reagieren und alle ihre Handlungen haben einen grossen Einfluss auf das weitere Geschehen.
■ Das Ende ist nicht vorausbestimmt.

SPIELLEITER SKILL
HOCH
■ Das Szenario ist sehr gut strukturiert, mit wenig Fliesstext, typisch für Trail of Cthulhu. Das Ganze wird in Szenen unterteilt, was sehr anwenderfreundlich ist, zumal in den Szenen deren Ausrichtung und Funktion vorausgeschickt werden.
■ Der hohe Detailreichtum des Ganzen erfüllt die karge Region mit Leben.
■ Das Szenario bietet eine ungewohnt feindselige Umgebung, einen real-historischen Hintergrund und eine moralische Zwickmühle.
■ Es gibt eine Reihe von Spuren, die gut gelegt wurden und zielführend sind.
■ Das Szenario bietet einiges: verdächtige Personen, einen tödlichen Kult, seltsame geologische und meteorologische Phänomene, Relikte und einen uralten Schrecken. Das Ganze ist mit internen Konflikten und Nationalismus gewürzt und bietet zudem einen sehr überraschenden Twist. 
■ Interessant zu beobachten ist, wie unvoreingenommen bzw. wie vorurteilsbehaftet, die Chars mit den unterschiedlichen Parteien umgehen werden.
■ Das Szenario stellt eine Alternative zu BEYOND THE MOUNTAINS OF MADNESS dar und ist die wesentlich bessere Wahl.

NSCs
Reichlich NSCs; 12 namentliche NSCs mit Werten und Fertigkeiten, sowie Kultisten + Mitgliedern der dt. Expedition

HANDOUTS
Wenig inspirierende und nicht ansprechende Handouts!
13 Handout auf 11 Seiten: Dokumente (u.a. über den Venustransfer), 4 Karten (Geologie / Topographie), 2 Fotos (Fauna / Flora), 1 Schiffsplan

KAMPAGNEN TAUGLICHKEIT
ONE-SHOT

PREGENS
6 Pregens auf 2 Seiten; 1 w / 5 m, mit kurzen aber guten Hintergrund-Informationen, Fertigkeiten und Antrieben.

STERBLICHKEITSRATE
HOCH

FILME ZUM THEMA
Jäger des verlorenen Schatzes von 1981, Whiteout von 2009 und The Cabin in the Woods von 2011

ACHTUNG SPOILER
Die Chars sind mit einem französischen Versorgungsschiff knapp ausserhalb des Süd-Polarkreis unterwegs, um im abgelegenen und unwirklichen Archipel der Kerguelen, fernab jeglicher Zivilisation, wissenschaftliche Untersuchungen vorzunehmen. Ausserdem soll das Schiff die letzten französischen Siedler – drei Schafzüchter-Familien – an Bord nehmen und nach Frankreich zurück bringen. Die französische Regierung räumt ihre Kolonie und gibt diese auf; dies soll der letzte Besuch sein. Doch die Chars sind nicht die einzigen, die sich auf dem Weg in diese Einöde gemacht haben. Ein deutsches Schiff ist dort vor Anker gegangen und unter der Besatzung befindet sich ein SS-Offizier. Anscheinend sind es Mitarbeiter der deutschen Forschungsstation, die auf dem Friedhof eines alten Walfänger-Lagers, welche sich, zusammen mit den ausgeblichenen Knochen der erlegten Wale, zahlreich entlang der Küste befinden, erbaut wurde. Irgendetwas treibt in der Einöde dieser Inselgruppe sein Unwesen. Die Chars haben eine Wahl zu treffen; eine Wahl zw. Menschen mit sehr undurchsichtigen Zielen.

Spoiler

Zu Zeiten einer vorsintflutlichen Vergangenheit bildeten die Kerguelen die Spitze des versunkenen Kontinents Lemuria. Dort wurden die Menschen zu Sklaven einer blutgierigen Gottheit, deren Herrschaft erst der Untergang des Kontinents beenden konnte. Unter den Überresten des letzten Tempels Lemurias ruhte diese geschwächte Gottheit, bis Pelzjäger sie, mit dem Blut unzähliger abgeschlachteter Robben, versehentlich erneut weckten. Alle 30 Jahre wendet sie sich den Machthungrigen, Gierigen und Schwachen zu und lockt diese mit unsäglichen Versprechen. Und alle 30 Jahre machen sich die Hüter des Schwarzen Tropfens auf eine lange Reise, nehmen ein Ritual vor und opfern sich zugunsten der Menschheit, um die Auferstehung des Gottes zu stoppen. Tod und Wahnsinn warten auf alle Teilnehmer des Rituals – bis auf einen, der das nächste Bannen der Kreatur zu organisieren hat. Bereits vor Jahren wurden das Geologen-Ehepaar der Insel und zwei der drei Siedler-Familien zu seinen Dienern, die blutrünstige Rituale an den Menschen verüben und dadurch dazu beigetragen, dass die Gottheit erneut erstarkt. Die Hüter und die Kultisten haben diametrale Ziele. Die Hüter sind allesamt Todgeweihte. Sie scheinen nicht vertrauenswürdig zu sein und lassen sich durch nichts von ihrer Mission abbringen. Die Kultisten haben ihrerseits nichts zu verlieren und sind begierig darauf, ihren Gott zu befreien. Die Chars werden das Zünglein an der Waage sein.

[collapse]
Zu Läuterers Rezension im Tanelorn-Forum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.